Jahresbericht 2025
Jahresbericht
2025
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Interview

Frische Impulse und ein solides Fundament

Das Jahr 2025 war geprägt von neuen starken Partnerschaften und einem klaren Vertrauensbeweis der Bevölkerung durch die Zustimmung zu den limitierten finanziellen Sicherheiten. Gleichzeitig markierte es den Abschluss der langjährigen Amtszeit von CEO Stefan Metzker. Dieser übergibt seinem Nachfolger Patrick Gressbach ein operativ solides und strategisch gut positioniertes Spital.

Gemeinsam mit Verwaltungsratspräsidentin Beatrix Frey-Eigenmann blicken der ehemalige und der neue CEO zurück auf vergangene Herausforderungen und Erfolge und erläutern, wohin die Reise geht.

 

Beatrix Frey-Eigenmann, wie beurteilen Sie die Entwicklung des Spitals unter der langjährigen Leitung von Stefan Metzker?

Beatrix Frey-Eigenmann (B.F.-E): Unter der Führung von Stefan Metzker hat sich das Spital Männedorf in anspruchsvollen Jahren grundlegend weiterentwickelt – vom kleinsten und teuersten Spital im Kanton hin zu einer etablierten und anerkannten Grösse in der Spitallandschaft. Medizinische Kernleistungen wurden gestärkt, Fachdisziplinen gezielt ausgebaut und strategisch wichtige Kooperationen aufgebaut. Besonders hervorzuheben ist, dass diese Entwicklung mit unternehmerischem Weitblick und klarer Führung gelang. Die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten standen stets im Fokus, ohne diejenigen der Mitarbeitenden aus dem Blick zu verlieren. Heute wird das Spital bei Neurekrutierungen als attraktive Arbeitgeberin mit guter Positionierung wahrgenommen. Für mich sind das deutliche Indikatoren der nachhaltigen Wirkung seiner Führung.

Waren in dieser Zeit besondere Herausforderungen zu meistern?

B.F.-E.: Die letzten Jahre waren geprägt von regulatorischen Veränderungen, finanziellen Unsicherheiten und einem äusserst anspruchsvollen Arbeitsmarkt. Unter diesen Bedingungen Stabilität zu schaffen und das Spital strategisch weiterzuentwickeln – etwa im Bereich der ambulanten Versorgung – war alles andere als einfach.

«Das Spital Männedorf hat sich vom kleinsten Spital im Kanton zu einer anerkannten und strategisch starken Grösse in der Spitallandschaft entwickelt.»
Beatrix Frey-Eigenmann, Verwaltungsratspräsidentin Spital Männedorf

Stefan Metzker, welche Entwicklungen und Meilensteine der letzten Jahre haben das Spital besonders geprägt?

Stefan Metzker (S.M.): Wir haben den Fokus konsequent auf Qualität, Effizienz und die Modernisierung zentraler Strukturen und Prozesse gelegt, haben spezialisierte Angebote gezielt ausgebaut und wirkungsvolle Kooperationen etabliert. Auf unternehmerischer Ebene konnten wir vieles ausprobieren – stets mit Blick auf das finanziell Machbare. Wir haben unser Umfeld aktiv mitgestaltet und bewusst als «First Mover» agiert, insbesondere bei vertikalen und horizontalen Kooperationen sowie bei der Weiterentwicklung der ambulanten Medizin, etwa mit der geplanten Ambulanten Klinik in Meilen.

Worauf sind Sie persönlich besonders stolz?

S.M.: Spitäler befinden sich ständig im Spannungsfeld zwischen dem hippokratischen Eid und einer wachsenden Ökonomisierung. Ich bin stolz, dass wir diesen Balanceakt erfolgreich meistern konnten. Trotz ökonomischem Druck sind wir dank einer von Interdisziplinarität und Interprofessionalität geprägten Unternehmenskultur eine attraktive Arbeitgeberin geblieben. Stolz macht mich auch, dass wir uns mit strategisch relevanten Projekten frühzeitig aus der Logik klassischer Regionalspitäler gelöst haben und so nicht zum Spielball eines sich rasant wandelnden Gesundheitswesens wurden. Besonders am Herzen lag mir, dass die Qualität der Grundversorgung trotz aller Herausforderungen jederzeit aufrechterhalten werden konnte. Mein klarer Appell an die Politik lautet daher: Behaltet die Unterfinanzierung der Vorhalteleistungen im Blick – sonst wird die regionale Gesundheitsversorgung aufs Spiel gesetzt.

«Trotz wachsendem ökonomischem Druck ist es uns gelungen, eine qualitativ starke Grundversorgung für die Region zu sichern.»
Stefan Metzker, bisheriger CEO Spital Männedorf

Beatrix Frey-Eigenmann, welche Kriterien waren entscheidend für die Wahl des neuen CEO?

B.F.-E.: Neben der Führungserfahrung war die Fähigkeit entscheidend, in einem komplexen Gesundheitsmarkt Orientierung zu geben und Veränderungen umzusetzen. Die Rolle eines Spital-CEOs geht heute – im Spannungsfeld von Medizin, Ökonomie, Politik und sich verändernden Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitenden – weit über die Funktion eines Verwaltungsdirektors hinaus. Für mich ist dies eine der anspruchsvollsten Führungsaufgaben in der aktuellen Unternehmenswelt. Ein integrativer Führungsstil, ein klares Verständnis für digitale Transformation sowie ein starkes Bekenntnis zur regionalen Gesundheitsversorgung waren ebenfalls auschlaggebende Punkte.

Was erwarten Sie von diesem Führungswechsel?

B.F.-E.: Ein Führungswechsel ist immer auch eine Chance. In den letzten Jahren wurde ein stabiles Fundament geschaffen, auf dem Patrick Gressbach aufbauen kann, insbesondere im medizinischen Qualitätsverständnis und in der Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitenden. Aufgrund seines Erfahrungshintergrunds erwarten wir aber auch neue Impulse. Vor allem bei der Weiterentwicklung unserer Strukturen, der Digitalisierung sowie der Vernetzung im regionalen Gesundheitsmarkt sind zukunftsweisende Ideen gefragt.

Stefan Metzker, welche Themen und Projekte liegen Ihnen beim Übergang besonders am Herzen?

S.M.: Im Zentrum stehen die Sicherung der Grundversorgung sowie das konsequente Vorantreiben der Ambulantisierung. Entscheidend ist, dass die Organisation proaktiv bleibt, zentrale Entwicklungen wie die Bildung eines Regionalspitalverbundes erfolgreich umsetzt und mit der Strategie das «kulturelle Gut» einer qualitativ starken Grundversorgung verteidigt.

Patrick Gressbach, was hat Sie motiviert, die Aufgabe als CEO zu übernehmen?

Patrick Gressbach (P.G.): Das Spital Männedorf und seinen Weg verfolge ich schon seit Längerem. Besonders angesprochen hat mich, dass die Leitung immer wieder ein gutes Gespür für Trends und Entwicklungen bewiesen und konsequent eine First-Mover-Mentalität gelebt hat – aktuell etwa mit der Ambulanten Klinik Meilen. Dieses Setting ist für mich zukunftsweisend für das Gesundheitswesen und bringt Mehrwert für die Patientinnen und Patienten, etwa durch kurze Wege und effiziente Behandlungsprozesse.

Sehr motiviert hat mich zudem die Aussicht darauf, gemeinsam mit den Mitarbeitenden und Führungsgremien die Transformationsprozesse aktiv mitzugestalten. Nicht zuletzt bietet die solide finanzielle Ausgangslage des Spitals eine starke Basis, um selbstbewusst strategische Weichen für die Zukunft zu stellen.

«In enger Vernetzung mit unseren Partnern schaffen wir einen Mehrwert für unsere Patientinnen und Patienten, attraktive Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden und eine stabile Gesundheitsversorgung für die ganze Region.»
Patrick Gressbach, neuer CEO Spital Männedorf

Was sind Ihre ersten Eindrücke vom Spital Männedorf?

P.G.: Ich spüre im Spital eine grosse Herzlichkeit und Offenheit. Alle sind im Austausch, unabhängig von der Hierarchiestufe. Diese offene und respektvolle Kultur schätze ich sehr.

Welche Schwerpunkte möchten Sie in der Anfangsphase setzen?

P.G.: Aktuell stehen für mich Zuhören, Verstehen und Einordnen im Vordergrund. Wie funktioniert das Unternehmen, woher kommen wir und wohin gehen wir? Für mich gibt es vier Hauptpfeiler, auf die ich mich zusammen mit den Mitarbeitenden, den Führungskräften und den Gremien fokussiere: Das sind einerseits die Zufriedenheit von Patientinnen und Patienten, jene der Mitarbeitenden sowie jene der Zuweisenden. Wenn diese drei Voraussetzungen gegeben sind, können wir als Konsequenz die Wirtschaftlichkeit des Spitals sicherstellen – den vierten zentralen Pfeiler.

Beatrix Frey-Eigenmann, was sind aktuell aus Sicht des Verwaltungsrates die wichtigsten Themen und Herausforderungen?

B. F.-E.: Ein Dauerthema bleiben die knappen Ressourcen, mit denen wir die Entwicklungen vorantreiben müssen. Auf der strategischen Ebene müssen wir in die Ambulantisierung und Digitalisierung investieren sowie in sinnvolle Kooperationen, die dazu beitragen, die Versorgung am rechten Zürichseeufer zu stärken. Der Bevölkerung wollen wir eine top medizinische Versorgung bieten – mit einem guten stationären Angebot, bald einer ambulanten Klinik sowie mit Partnerschaften, die eine umfassende Behandlung und Betreuung auf hohem Niveau ermöglichen.

Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen anspruchsvoller geworden – finanziell, regulatorisch und personell. Für die Zukunft sind deswegen Flexibilität, Spezialisierung und Effizienz entscheidend. Wir wünschen uns, dass die Politik Marktverzerrungen und Fehlanreize eliminiert, so dass diejenigen Spitäler überleben können, welche qualitätsbewusst, bedarfsgerecht, agil und eigenwirtschaftlich arbeiten.

Wie positioniert sich das Spital im regionalen Gesundheitsmarkt, und welche wichtigen Entwicklungen finden aktuell statt?

B.F.-E.: Wir sind als regionaler Grundversorger mit klaren fachlichen Schwerpunkten positioniert. Die Tendenz verlagert sich immer stärker in den ambulanten Bereich, wo wir mit der Ambulanten Klinik Meilen ein weitsichtiges Projekt lanciert haben.

P.G.: Mit der Ambulanten Klinik Meilen muss eine klare Trennung von ambulant und stationär erfolgen, um Doppelspurigkeit zu vermeiden. Ein weiteres wichtiges Stichwort ist die Digitalisierung. Um in diesem Bereich progressiv agieren und gute Initiativen realisieren zu können, müssen wir Geld investieren. Als Unternehmen müssen wir dabei stets das Steuer in der Hand behalten, Neues ausprobieren und zeigen, dass die Digitalisierung funktioniert und unsere Effizienz steigert.

Welche langfristigen strategischen Ziele verfolgt der Verwaltungsrat?

B.F.-E.: Wir wollen weiterhin die bestmögliche Gesundheitsversorgung für die Region. Dies setzt sich zusammen aus wohnortnaher Grundversorgung und dem einfachen Zugang zu spezialisierter Medizin. Diesen Weg beschreiten wir mit starken Partnern: Mit der Universitätsklinik Balgrist arbeiten wir im Bereich Orthopädie zusammen, mit der Hirslanden-Gruppe werden wir die Ambulante Klinik Meilen betreiben und mit dem Spital Uster stärken wir die gynäkologische Versorgung unter dem gemeinsamen Dach der Frauenklinik Züri Ost. 

Wir werden weiterhin in eine attraktive Infrastruktur und ein gutes Leistungsangebot investieren, deswegen sind wir sehr dankbar, dass die Bevölkerung uns im vergangenen September mit der deutlichen Zustimmung zu den limitierten finanziellen Sicherheiten ihr Vertrauen ausgesprochen hat. Eine durchschnittliche Zustimmung von 87 % zeigt für mich das grosse Vertrauen der Bevölkerung nicht nur in die Führung, sondern vor allem auch in die Mitarbeitenden des Spitals. Das Resultat ermöglicht uns, zu vernünftigen Konditionen Mittel für die künftige Entwicklung aufzunehmen.

Patrick Gressbach, welche Akzente möchten Sie als CEO setzen?

P.G.: Ich möchte klare Akzente setzen mit einer verbindlichen Führungskultur, einer konsequenten Patientenorientierung und stabilen, effizienten Prozessen. Gleichzeitig soll die interdisziplinäre Zusammenarbeit gestärkt, die Digitalisierung gezielt als treibende Kraft genutzt und so die langfristige Leistungskraft und die Zukunftsfähigkeit des Spitals Männedorf gesichert werden.

Welche Vision haben Sie für die kommenden Jahre?

P.G.: Wir wollen das Spital Männedorf als wegweisendes, leistungsstarkes und wirtschaftlich nachhaltiges Akutspital positionieren. Wir verbinden medizinische Exzellenz mit innovativen Versorgungsmodellen, klar geführten Strukturen und einer Kultur, die Verantwortung, Zusammenarbeit und kontinuierliche Weiterentwicklung fördert. Als «First Mover» denken wir Prozesse, Digitalisierung und Patientenpfade neu und gestalten Veränderungen aktiv statt reaktiv. In enger Vernetzung mit unseren Partnern schaffen wir so messbaren Mehrwert für unsere Patientinnen und Patienten, attraktive Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden und eine langfristig stabile Gesundheitsversorgung für die ganze Region.